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Geschichte

Daugavpils ist die zweitgrößte Stadt Lettlands, befindet sich am Ufer von Daugava im Südosten der Republik und ist 232 km von der Hauptstadt Rīga entfernt.

Der Name der Stadt wurde mehrmals geändert: Dünaburg (1275), Borisoglebsk (1656-1667), Dwinsk (1893-1920) und Daugavpils – seit 1920.

Die Geschichte der Stadt beginnt im Mittelalter, wenn die lettischen Länder von deutschen Ritterkreuzfahrern erobert wurden.

Gemäß der Geschichtschronik wurde das Schloss Dünaburg 1275 vom Meister des livländischen Ordens Ernst von Rassburg neben dem Weg von Warägern zu den Griechen gegründet. Der Wasserweg befand sich an der Grenze zwischen russischen und litauischen Länder. Das Schloss war eine bedeutende Festung und neben dem Schloss entstand eine Handelssiedlung.

Das Schloss Dünaburg befand sich gegenüber den Fürstentümern Polozks und Litauens in einer sehr prekären Lage und die russischen und litauischen Truppen versuchten mehrmals, das Schloss zu zerstören.

Die erste Schlacht an den Mauern des Schlosses fand 1277 statt, wenn der litauische König Thoreiden einen Monat lang erfolglos versuchte, das Schloss zu erobern, das Schloss hielt dem Angriff stand.

Vom XIV bis XV Jahrhunderten wurde das Schloss wegen seiner strategischen Bedeutung mehrmals von russischen und litauischen Truppen angegriffen, zerstört und wiederaufgebaut.

Der Livländische Orden hat die Mittel zur Befestigung des Schlosses nicht verschont. 1347 hat das Meister des Ordens Goswin von Herike das Schloss mit vier Türmer befestigt.
Am Anfang des XV Jahrhunderts wurde der Komtur von Dünaburg zum Vertrauensmann des Ordens geworden. In dieser Zeit griff der Livländische Orden mit Hilfe der Garnison des Schlosses Dünaburg mehrmals die russischen Länder Pskow und Nowgorod an.

Nach dem Anschluss dieser Territorien zum Fürstentum Moskau hat der Fürst Ivan III. jedoch einen Krieg gegen Livland begonnen, um die westliche Grenze zu verstärkten. Am Ende des XV Jahrhunderts verlor Livland seine Mächtigkeit und erlitt einen Verfall.

1481 haben die 20 Tausend großen Truppen von Iwan III. kurzzeitig das Schloss Dünaburg erobert. Gemäß den Bedingungen des zwischen Iwan III. und dem Ordensmeister Wolter von Plettenberg abgeschlossenen Friedensvertrags wurden alle eroberten Territorien an Livland zurückgegeben und 50 Jahren lang zahlte Livland Tribut an Fürstentum Moskau.

Dieser Vertrag verlängerte die Existenz Livlands um mehr als ein halbes Jahrhundert. Erst der Livländische Krieg (1558-1582) zerstörte endgültig den geschwächten Staat.
In der zweiten Hälfte des XVI Jahrhunderts könnte Livland dem Angriff der russischen Truppen nicht mehr standhalten und wandte sich mit der Bitte um Hilfe an Polen. 1559 wurde das Schloss Dünaburg zusammen mit anderen Festungen an polnischen König Sigismund II. August verpfändet.
1561 hörte der Livländische Orden auf zu existieren.

Für zwei Jahrhunderten (1561-1772) wurde Latgale Teil von Polen – Woiwodschaft Livland. Ab 1566 wurde Dünaburg zum Verwaltungszentrum der Woiwodschaft.

Am 11. August 1577 eroberten die Truppen von Iwan des Schrecklichen das Schloss. Während des langen Livländischen Krieges wurden das Schloss und die Handelswege zerstört. 300 Jahren hielt das Schloss stand aber jetzt verlier es seine militärische Bedeutung.

Die strategische Bedeutung dieses Territoriums in der Mitte von Daugava, wo die russischen und polnischen Interessen kollidierten, nahm weiter zu. Iwan der Schreckliche begann die neue Festung 19 km flussabwärts von alten Schloss zu bauen, wo sich jetzt Daugavpils befindet.

Aber die Polen haben die Festung weitergebaut, weil im Januar 1582 ein Vertrag zwischen Polen und Russland abgeschlossen war und das gesamte Territorium von Latgale, darunter auch die neue Festung, zum Teil von Polen wurde.
1582 der polnische König Stephan Báthory hat das Magdeburgische Stadtrecht an Dünaburg verliehen. Die war eine wichtige juristische Akte, die die rechtmäßige Existenz der Stadt an der Festung erkannte. Die Stadt wurde vom einen Magistrat verwaltet.

Im XVII Jahrhundert war Dünaburg ein wichtiger Handels- und Zollstadt. In diesen Zeiten haben Polen, Russland und Schweden in den Baltischen Länder gekämpft. Die neue Festung und Stadt Dünaburg erlitt mehrere feindliche Angriffe: 1600 und 1655 wurde es vom Schweden erobert.
Im Juni 1656 hat der russische Zar Alexei Michailowitsch und seine Truppen die Festung erobert und die Schweden vertrieben. Die eroberte Stadt wurde in Borisoglebsk umbenannt und war 11 Jahren Teil von Russland.

Nach dem Abschluss des Vertrags von Andrussowo 1667 wurde die Stadt wieder zum Teil von Polen geworden. Die Stadt war bis 1772 unter dem Namen Dünaburg ein Teil von Polen. Dünaburg war das administrative Zentrum und die Bischofsresidenz von Woiwodschaft Livland.

Der Anfang des XVIII Jahrhunderts brachte neue Herausforderungen für die Stadt. Der Große Nordische Krieg (1700 – 1721) hat die politische Landkarte Baltikums stark verändert. Im Februar 1700 begann der Krieg mit einem erfolglosen Angriff der Sächsischen Armee auf Rīga. Die Sächsische Armee überwinterte in der Festung Dünaburg.
Wegen des Krieges erlitte lokale Bevölkerung Elend und Armut, sowie Verbreitung von Krankheiten. 1710 wurde Latgale von der Pestepidemie erfasst. Fast die ganze Garnison von Dünaburg starb, Die Festung war entwaffnet, die Kanonen wurden nach Vilnius versetzt. Ab diesem Zeitpunkt verfallen die Festung und Stadt.

Im XVIII Jahrhundert setzte das innere Zerteilungsprozess vom Polen fort. Die unversöhnlichen Klassengegensätze brachten das Land zum Krach.

Preußen und Österreich haben widerholt die Frage der sogenannten Teilung des polnischen Erbes aufgeworfen. Die Verhandlungen liefen von 1769 bis 1772 und endeten mit dem Vertrag zwischen 3 Großmachten – Preußen, Österreich und Russland. Gemäß dem Vertrag bekam Russland die Woiwodschaften Latgale, Mszislau, Polozk und Witebsk.
Nach der Teilung von Polen 1722 wurde Dünaburg zur Kreisstadt des Gouvernements Polozk und ab 1802 des Gouvernements Witebsk geworden.
Am 21. September 1781 erhielt Dünaburg ein neues Wappen, das bis 1917 in Kraft war.

Der 1810 begonnene Bau der neuen Festung Dünaburg brachte große Veränderungen im Stadtleben. Am Anfang des Krieges mit Napoleon 1812 wurden die Bauarbeiten nicht abgeschlossen, jedoch spielte die Festung eine wichtige Rolle bei dem Schutz der nordöstlichen Grenze Russlands.
Nach dem Krieg wurden die Bauarbeiten fortgesetzt und im Mai 1833 wurde die Festung eingeweiht, jedoch wurde der Bau von Gebäuden und Befestigungen bis 1878 fortgesetzt.
In der Mitte des XIX Jahrhunderts wurde der Bau der Eisenbahn in Russland begonnen und Dünaburg wurde zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt, weil sich zwei wichtige Eisenbahnlinien Petersburg – Warschau und Rīga – Orjol in der Stadt kreuzten.

Nach dem Befehl des Kaisers Alexander III. wurde 1893 Dünaburg in Dwinsk umbenannt.

In der Jahrhundertwende vom XIX zum XX Jahrhundert war Dwinsk der größte Industrie- und Kulturzentrum des nordöstlichen Gebietes. 1913 lebten 112 848 Menschen in der Stadt, was mehr als in Minsk waren.

Während des Ersten Weltkrieges war Dwinsk eine Frontstadt und der Stab der 5. Russischen Armee war hier untergebracht. Während des Krieges wurde die Stadt schwer beschädigt, die Einwohnerzahl wurde drastisch reduziert und viele Industrieunternehmen wurden nach Russland verlegt.
Von Februar bis Dezember 1918 war Dwinsk von deutschen Kräften danach von den Bolschewiki besetzt.

Am 3. Januar 1920 haben die lettische, litauische und Polnische Truppen die Bolschewiken aus der Stadt vertrieben und die Stadt wurde in Daugavpils umbenannt.

Während der Jahren der Unabhängigkeit Lettlands wurde die Wirtschaft der Stadt wiederaufgebaut, Kultur und Bildung entwickelten sich. In der Mitte der 30en Jahren wurden das Monumentalgebäude – Haus der Einheit und die Brücke der Einheit gebaut.

Im Juni 1940 wurde die Republik Lettland durch Sowjetunion aber 1941 durch deutschen Rech besetzt.

In den Gebäuden der Festung haben die Deutschen ein Judenghetto und ein Stalag – 340 für russischen Kriegsgefangenen eingerichtet. In den Kriegszeiten wurden mehr als 125 Tausende Menschen auf dem Stadtgebiet getötet.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden mehr als 70 % von Gebäuden der Stadt zerstört.

Am 27. Juli 1944 marschierte die Rote Armee in Daugavpils ein.

In Nachkriegsjahren wurde Wirtschaft und Kultur der Stadt rasch wiederaufgebaut. Neue Unternehmen, Ausbildungs- und Kultureinrichtungen wurden gegründet, neue Stadteile gebaut.

1991 wurde die Unabhängigkeit der Republik Lettland wiederhergestellt und die Stadtentwicklung wurde unter neuen Bedingungen fortgesetzt.

Daugavpils ist das Kultur- und Bildungszentrum von Ostlettland. Die Stadt ist sehr multinational und die Multinationalität spiegelt in Architektur, Kunst und Traditionen der Alltag wieder.